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Neophyten: Invasion aus dem Garten
Pflanzen, die den Sprung vom heimischen Garten über den Gartenzaun schaffen, sind nicht unbedingt ein Segen für die Natur auf der anderen Seite der Umfriedung. Oftmals fehlen „draußen“ natürliche Feinde oder kräftige Konkurrenten. So können sich sogar einige Pflanzen aus fernen Regionen prächtig vermehren. Dass sie dabei andere, heimische Pflanzen aus dem Lebensraum drängen, wird oft erst deutlich, wenn es bereits zu einem Problem geworden ist.
Goldrute und Robinie
Etliche bekannte Pflanzen sind am „falschen Platz” eine Gefahr für die Umwelt. Zum Beispiel der bereits weitverbreitete Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum), der in seiner Heimat im Kaukasus nur an Waldrändern und Bächen vorkommt. Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) aus dem westlichen Himalaja kam eigentlich als Gartenpflanze nach Europa. Heute bildet sie vor allem auf feuchten und nassen Böden Massenbestände aus.
Bitterer Honig
Auch die Kanadische Goldrute (Solidago canadense) aus USA, Kanada und Alaska begann ihre invasive Karriere in Europa als Gartenpflanze. Die Robinie (Robinia pseudoacacia) aus Nordamerika dringt in Deutschland in Sandtrocken- und Magerrasen ein und verdrängt die dort heimischen Pflanzenarten. Unter diesem Aspekt schmeckt „Akazienhonig” aus der Region eher bitter. Verwildert sind auch die zuerst so geliebte Schneebeere (Symphoricarpos albus), Gewöhnlicher Japan-Knöterich (Fallopia japonica), Topinambur (Helianthus tuberosus) oder der Sommerflieder (Buddleja davidii).
Ist doch nur Gartenabfall ...
Das eigentliche Problem aber sind nicht Pflanzen aus fernen Regionen, sondern unser Umgang damit. Die begehrte, neu eingeführte Gartenpflanze von heute kann die invasive Pflanze von morgen sein. Geboten ist ein verantwortungsvoller Umgang. Dazu zählt auch, keine Gartenabfälle wild in der Natur zu entsorgen. In diesen verbergen sich Samen, Früchte oder Sprosstücke.
Ob sich eine gebietsfremde Pflanzenart mit negativen Folgen ausbreiten wird, ist kaum sicher vorhersehbar. Daher ist die frühzeitige Beobachtung und umfassende Dokumentation entscheidend. Botanische Gärten spielen dabei als kontrollierte Versuchsräume eine wichtige Rolle.
Mehr Informationen unter www.floraweb.de/neoflora.
[Diplom-Biologin Gesche Hohlstein,
Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem]



