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Clematiskulturen Westphal
Sterne und Glöckchen, große Blütenräder, schwingende, zarte Röcke, wie aus Wachs geformte Blütenkrüge, wer durch den Clematis-Schaugarten der Gärtnerei Westphal in Prisdorf bei Hamburg wandert, kommt aus dem Staunen nicht heraus. 500 Arten und Sorten umfasst die Sammlung der Clematis-Gärtnerei und immer noch kommt Neues hinzu.
Clematis-Besessene scheint es in allen Winkeln der Erde zu geben. Dass Friedrich Manfred Westphal zu ihnen zählt, daran ist sein Vater Friedrich Westphal Schuld. Vor Jahrzehnten ließ der sich von den eleganten Schlingern gefangen nehmen.
Wie in jedem Familienbetrieb mussten auch die Westphal-Kinder Friedrich Manfred, Rosemarie und Heike mithelfen. Das kleine halb in die Erde eingesenkte Erdhaus mit seiner Koksheizung war ihnen von früh an vertraut. Aufgaben für Kinderfinger gab es genug. Besonders unbeliebt war, Clematis und durchtreibende Weiden, die eigentlich als Haltestab dienen sollten, von einander zu trennen.
In den 70er Jahren gab Vater Westphal die Baumschule weitgehend auf. Die Clematis blieben und wandelten sich ganz langsam zur Sammelleidenschaft. 1982, das Sortiment umfasste rund 30 Sorten, tauchte Ingwer Jensen, als Rosenspezialist bekannt, auf. Nicht nur das größte Rosen-Sortiment wollte er anbieten können, sondern auch die meisten Clematis. Rosen-Erfahrungen besaß er selbst genug, Clematis-Erfahrungen aber nicht. Dafür brauchte er einen Partner, den er im Betrieb Westphal fand. Ingwer Jensen reiste viel und brachte ständig neue Clematis mit. Aus den 30 Sorten wurden bald 100.
Jensen baute Kontakte zu japanischen Züchtern, nach England und in den Ostblock hinein auf. Westphal Junior nahm er mit auf seine Reisen. Schließlich wuchsen an die 300 verschiedene Clematis im Betrieb: großblumige Hybriden, Viticella-, Montana-, Macropetala-, Texensis-Sorten und vieles andere mehr, dazu Wildarten aus aller Welt.
1988 knüpfte der Junior Kontakt zum Clematispapst, dem Schweden Magnus Johnson. Mit großer Sorgfalt hatte der die damals existierenden Sorten gesichtet, hatte Abstammungen und Zugehörigkeiten erforscht und eine umfassende Bibel aller Clematissorten geschrieben. Mit seiner Hilfe brachte Friedrich Manfred Klarheit in das Sortiment.
So – mit sauberer Sortenfülle und einem reichen Erfahrungsschatz ausgestattet, bekam die Clematis-Sammelei in den 90er Jahren Kontur, eindeutige Qualitätsvorstellungen entstanden. Die größtmögliche Sortenzahl war nicht länger das Ziel. Stattdessen musste sich Neues deutlich von bereits Vorhandenem unterscheiden. Reiche, zuverlässige Blüte war gefragt – und Gesundheit.
Besonders die kleinblütigen Sorten sind gut widerstandsfähig gegen Welke. Aber nicht nur deshalb gilt ihnen die ganze Liebe Westphals. Mit ihren zierlichen Blüten sind sie auch einfach niedlich. »Sie sollten viel stärker an die Stelle der großblumigen treten«, findet er und freut sich unbändig, wenn er die Besucher staunend vor der zierlichen Blütenfülle stehen sieht.
Auszüge aus: Helga Panten: Pflanzensammler und ihre Leidenschaft, Bonn 2009, ISBN : 978-3-88579-145-4,
E-Mail: Panten.Helga@gmx.de
Clematiskulturen Westphal
Rosemarie Höfs
Peiner Hof 7
25497 Prisdorf
Fon 04101-74104
www.clematis-westphal.de



